Handel

Wie ein Kommentar mit Realitäten und Gesetzen umgeht

Wie ein Kommentar mit Realitäten und Gesetzen umgeht

Wie ein Kommentar mit Realitäten und Gesetzen umgeht

Da reibt man sich die Augen: Im Parkhaus des Rhein-Ruhr-Zentrums bauen sich am Sonntag nicht einmal zehn Trödelstände auf und WAZ-Redakteur Peter Szymaniak schreibt in diesem Zusammenhang von „besonderen Attraktionen, außerordentlichen Ereignissen und Festen“, die „Massen in die Zentren“ ziehen. Und nebenher würde natürlich auch eingekauft.

Wie bitte? Journalismus beginnt damit, Realitäten zu berichten.
Realität ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, die den Sonntag als arbeitsfreien Tag schützt -
Realität ist ein Landesgesetz, das verkaufsoffene Sonntage nur als Begleitung zu großen, publikumswirksamen Ereignissen zulässt -
Realität sind höchstrichterliche Urteile, die den Schutz des Sonntags als arbeitsfreien Tag klar definieren und unmissverständliche Vorgaben für Sonntagsöffnungen machen.
Nur wer die Verfassung unwichtig findet, auf Landesgesetze pfeift und höchstrichterliche Rechtsprechung ignoriert, kann auf die Schlussfolgerung des WAZ-Kommentars kommen: ver.di ist schuld, weil sie Gesetzen und höchstrichterlichen Urteilen zur Geltung verhilft.

Die Verödung der Innenstädte ist eine Folge des ständigen Vernichtungswettbewerbs im Handel, gepaart mit verfehlter Stadtplanung. Die großflächigen Einkaufszentren außerhalb der Innenstädte sorgen für die beklagte Verödung der Stadtteile und ganzer Regionen. Gewinne werden im Handel nicht durch zusätzliche Konsumtätigkeit der Kunden generiert, sondern fast ausschließlich auf Kosten der Konkurrenz. Zahlreiche Studien belegen das.

Der Verdrängungswettbewerb wird auch über die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten forciert. Kleine Facheinzelhändler können mit den großen Ketten nicht mehr mithalten und müssen schließen. Da hilft es gar nichts, ein paarmal im Jahr sonntags zu öffnen. Dass ver.di eine Vereinbarung in dieser Sache mit Politik, Handel und Kirchen nicht einhalten würde, wie es die WAZ schreibt, ist schlicht falsch.

Die Vernichtung von Arbeitsplätzen im Handel ist die Folge des Vernichtungswettbewerbs - gerade durch Öffnungszeiten rund um die Uhr. 

Alle Filialisten, für die sich die WAZ in ihrem Kommentar so vehement einsetzt, sind längst auch Onlinehändler und bieten ihre Waren zusätzlich rund um die Uhr an. Kleine Einzelhändler, die noch nicht zweigleisig fahren und auch im Internet aktiv sind, werden dem Onlinehandel nicht durch ein paar verkaufsoffene Sonntage Einhalt gebieten. Wer so denkt, ist naiv. Genauso wie es naiv ist, den Ruf von Oberhausen als Freizeithauptstadt des Reviers von Sonntagsöffnungen des Einzelhandels abhängig zu machen.